Studienort

Bei der Wahl des Studienorts sind mehrere Punkte zu bedenken, deren Priorität sicherlich von Person zu Person unterschiedlich ist.

Lehrangebot

Generell gilt: Das Physikstudium (Bachelor und Master, d.h. das Curriculum des früheren Diplom-Studienganges) unterscheidet sich von Universität zu Universität eher in Feinheiten. Dank der Koordination durch die Konferenz der Fachbereiche Physik (KFP) ist das Physik-Studium kohärent aufgebaut, d.h. Abschlüsse in Physik werden nach wie vor zwischen den deutschen Universitäten als gleichwertig wahrgenommen und anerkannt. Im Falle von Fächern mit Physik-Inhalten (z.B. Bachelor/Master in Geophysik) ist unter Umständen keine komplette Gleichwertigkeit zu einem Physik-Fachstudium gegeben.
Das Angebot bzgl. Spezialvorlesungen und Nebenfächern bzw. der Möglichkeit einer vertiefenden Schwerpunktsetzung innerhalb des Physikstudiums unterscheidet sich teilweise sehr stark zwischen den Universitäten. Das heißt nicht, dass der Abschluss an einer Universität mehr oder weniger wert ist als an einer anderen. Es reflektiert eher, welche Schwerpunkte in der Lehre die jeweilige Universität im Rahmen ihres Forschungsprofils anbietet. Tendenziell bieten große Universitäten eine größere Palette von Themen, aber auch das lässt sich nicht verallgemeinern, da selbst große Universitäten durch Profilbildung in der Forschung entsprechend fokussierte Angebote in der Lehre machen. Manche Dinge, wie z.B. Praktika, sind an großen Universitäten durch den hohen Durchsatz an Studierenden eher restriktiv ausgelegt, da sie sonst wenig planbar sind. Hier sind kleinere Universitäten manchmal flexibler.
Machen Sie sich zunächst klar, ob Sie ein Physik-Fachstudium beginnen wollen und dabei ggf. einen vertiefenden Aspekt anstreben (z.B. Schwerpunkt Biologische Physik wie er innerhalb des Bachelor-Studiengangs Physik an der Universität Bayreuth möglich ist). Alternativ dazu gibt es eine Reihe von physik-nahen Studiengängen, z.B. Geophysik. Beachten Sie bei Ihrer Wahl, dass möglicherweise für eine spätere Berufswahl ein „traditioneller“ Abschluss in Physik (ggf. mit Vertiefung) aufgrund der weniger starken Spezialisierung besser sein könnte.

Betreuungsverhältnis im Studium

Große Universitäten bieten meist aufgrund einer großen Anzahl von Dozenten ein sehr großes Angebot an Spezialvorlesungen. Bei 200 oder mehr Erstsemestern, z.B. an großen Physik-Fachbereichen wie in Heidelberg oder München, ist aber der direkte Kontakt zu den Dozenten meist eher eingeschränkt. Kleinere Universitäten, z.B. Tübingen oder Bayreuth, bieten hier ein persönlicheres Umfeld. Häufig sind an kleineren Universitäten auch die Übungsgruppen bzw. Tutorien etwas kleiner, d.h. das Betreuungsverhältnis insgesamt ist tendenziell besser. Dies drückt sich oft auch in der Zufriedenheit der Studierenden bzgl. der Studienbedingungen aus (vgl. das CHE ranking zu Studienbedingungen). Es ist sicher eine Typfrage, ob man die eine oder die andere Version bevorzugt.

Lebenshaltungskosten

Ein Studium kostet Geld. Neben Büchern, allerlei Papierkram, Einschreibegebühren und Semesterticket etc. sind die Kosten für Wohnen und Essen sicher die dominanten. Vergleicht man beispielsweise die Mietpreise¹ für eine kleine Wohnung (ca. 50m2) in den Universitätsstädten München (600 €), Heidelberg (455 €), Jena (360 €) und Bayreuth (290 €), so ist sind die monatlichen Differenzen schon sehr beachtlich. Rechnet man mit einem Zimmer (z.B. in einer WG) und addiert noch die monatlichen Fixkosten für Essen etc. hinzu¹, ist im Geldbeutel selbst bei sparsamen Menschen leicht ein Unterschied von 100-200 € pro Monat deutlich spürbar. Da BaföG und Stipendien im Vergleich zu den USA immer noch reichlich unterentwickelte Geldquellen für Studierende sind, muss in teuren Städten meist fleißig hinzuverdient werden. Machen Sie sich frühzeitig klar, dass diese Zeit vom Lernen und auch von der Freizeit unter Umständen dauerhaft abgeht, was den Druck während des Studiums deutlich erhöht. Ein interessanter Aspekt ist auch die Verfügbarkeit von Studentenjobs, denn der Wille zur Arbeit benötigt auch freie Stellen. Dieser Aspekt kann bei kleinen, aber teuren Universitätsstädten sehr wichtig sein.
¹ Angaben ohne Gewähr;