Bachelorstudium

Die Konferenz der Fachbereiche Physik (KFP) koordiniert die Lehrinhalte der Physik-Fachstudiengänge an den deutschen Universitäten, so dass das Curriculum inhaltlich überall sehr ähnlich ist. Individuell geregelt sind an den einzelnen Universitäten die zeitliche Abfolge der Lehrangebote, Wahlmöglichkeiten der Nebenfächer oder die Möglichkeit einer Schwerpunktbildung innerhalb des Physikstudiums.

Das Bachelor-Studium im Fach Physik dauert in der Regel sechs Semester, d.h. drei Jahre. Eine umfassende Darstellung aller möglichen Studienpläne würde den Rahmen dieser Informationsseite sprengen. Nachfolgend soll daher für einen ersten Überblick der Aufbau des Bachelor-Studiums Physik am Beispiel des Studienplans der Universität Bayreuth erläutert werden.

Der Fachstudiengang Physik mit dem Abschluss Bachelor of Science an der Universität Bayreuth existiert aktuell in drei Schwerpunktsetzungen: Allgemeine Physik, Biologische Physik und Technische Physik.

Allgemeine Physik Bachelor
Allgemeine Physik
Biologische Physik Bachelor
Biologische Physik
Technische Physik Bachelor
Technische Physik

Wie man obenstehenden Modellstudienplänen entnehmen kann, ist die Ausbildung in den Kernfächern (Mathematik, Chemie, Theoretische Physik, Experimentalphysik und Physikalische Praktika) bei allen drei Varianten gleich. Die Wahl- und Nebenfächer inklusive einiger ausgewählter Versuche in den Praktika erlauben aber eine dezidierte Schwerpunktsetzung z.B. in Richtung Biologische Physik oder Technische Physik. Diese mit roter Schrift gekennzeichneten Veranstaltungen tragen ca. 30% der Studienleistungen (ECTS Leistungspunkte) bei, d.h. die Kernkompetenzen des Physikstudiums bleiben erhalten, werden aber gemäß eigener Interessen vertieft.

Zeitlicher Aufwand

Die Anzahl der SemesterWochenStunden (SWS) mit Vorlesungen, Seminaren, Übungen und Praktika liegt im Bereich 20-25. Das klingt zunächst nicht nach sehr viel, zumal Vorlesungen traditionell in Schulstunden (45 Minuten) gemessen werden. Die Vorbereitung der Übungen, das Abfassen der Praktikumsprotokolle sowie Wiederholung und Vertiefung des Stoffs erfordern aber meist nochmals einen ähnlichen Stundenaufwand. Wie in vielen anderen Studiengängen summiert sich das Arbeitspensum also leicht auf ca. 50 Stunden. In jedem der Fächer (außer bei Praktika) steht am Ende der Vorlesungszeit eine Klausur oder eine mündliche Prüfung an. Diese Noten finden Eingang in das Bachelor-Zeugnis, wobei einige Veranstaltungen zu größeren Modulen zusammengefasst sind, deren Gesamtnote sich aus dem Mittelwert oder der besten der Einzelnoten zusammensetzen kann (Details dazu finden sich in der jeweiligen Prüfungsordnung).

Die vorlesungsfreie Zeit (meist ein wenig irreführend als Semesterferien tituliert) bietet die Möglichkeit, den Stoff selbständig zu wiederholen und zu vertiefen. Das Physikstudium ist durchaus anspruchsvoll (z.B. in Bezug auf das Abstraktionsvermögen), so dass sich eine Wiederholung/Vertiefung sehr positiv auf den Studienerfolg auswirkt und deshalb ratsam ist.

Abschluss des Bachelorstudiums

Am Schluss des Bachelor-Studiengangs steht die Bachelor-Arbeit. Sie beinhaltet, anders als in vielen anderen Studiengängen, eine echte Forschungsarbeit in den Arbeitsgruppen, d.h. man schnuppert zum ersten Mal „richtige Forscherluft“. Die gesetzlich vorgesehene Bearbeitungszeit ist aber, nicht nur nach Ansicht vieler Professoren, zu kurz um hier wirklich nachhaltige Erfahrungen zu sammeln. An der Universität Bayreuth ist daher die Kombination des Forschungspraktikums mit der Bachelorarbeit möglich, so dass ein etwas erweiterter Zeitraum für eine vertiefte Bachelorarbeit zur Verfügung steht.

Der Bachelor of Science ist offiziell ein berufsqualifizierender Abschluss. Machen Sie sich aber klar, dass der Inhalt dieses sechssemestrigen Studiums nur wenig über das frühere Physik-Vordiplom hinausgeht. Das Vordiplom wurde nicht als berufsqualifizierend angesehen und auch heute ist der Arbeitsmarkt für reine Bachelor-Absolventen eher karg. Die große Mehrheit der Absolventen (>90%) geht nahtlos zum Masterstudium in Physik über, was die Berufsaussichten deutlich verbessert (s. auch Berufsaussichten).

Ein häufiger Wunsch, der immer wieder auch durch die Medien mit Verweis auf das modulare Bachelor/Master-Studium angeheizt wird, ist das Semester im Ausland. Ob und inwieweit das eine sinnvolle Ergänzung ist, wird sicher vom Studiengang und der betreffenden Person abhängen. Erfahrungsgemäß ist man beim Physikstudium schon ohne den vermehrten Aufwand eines Auslandssemesters (andere Umgebung, Sprache, Kultur,...) nicht unbedingt unterbeschäftigt. Ein Semester im Ausland bietet sich daher eher am Ende des Bachelor-Studiums oder am Anfang des Master-Studiums an. Aber auch hier gilt, wie in anderen Bereichen des Lebens: Es zu machen, weil man es halt machen sollte, ist kein guter Grund. Sie sollten überzeugt davon sein und sich den Studienort mit Bedacht auswählen, denn nur dann profitieren sie auch langfristig davon. Sofern Sie ein Auslandssemester anpeilen, sollten Sie mit der Planung des Aufenthalts und seiner Finanzierung ca. ein Jahr vorher anfangen. Stipendien und Austauchprogramme haben üblicherweise Vorlauffristen von sechs Monaten und mehr.